Pressekonferenz: Weltweiter Klimastreik am 15.09.2023

Presseaussendung zur Pressekonferenz von Fridays For Future | 12.09.2023 | 11 Uhr

“Zukunft für Alle - Klimakatastrophengipfel JETZT!” - unter diesem Motto wird Fridays For Future am 15. September wieder mit Zehntausenden Menschen auf die Straßen ziehen. Von Vorarlberg bis Wien wird gefordert: der Klimakatastrophen-Sommer muss Konsequenzen haben. Klimakatastrophengipfel, jetzt!

Waldbränden, Hitzewellen, Dürre, Überflutungen, die Klimakatastrophen sind da. In unseren Kellern, Wohnzimmer und auf unseren Feldern. Alle haben es mitbekommen, nur einer schweigt: Der Kanzler. Ein Kanzler, der Betroffenen hilft, der Menschen Schutz und Sicherheit bietet, fehlt schmerzlich. Stattdessen lenkt die ÖVP ab und tut so, als wäre Klimaschutz ein Randthema von einigen wenigen “Radikalen”. Doch Klimaschutz ist Menschenschutz - wie uns dieser Sommer beinhart gezeigt hat - und Klimaschutz geht uns alle etwas an.

Botschaften der Sprecher*innen:

Prof. Karl W. Steininger (Klimaökonom und Leiter des Wegener Center der Universität Graz)

In Österreich liegen durch die Klimaerhitzung - vor allem durch Extremwetter - verursachte Schäden derzeit bei durchschnittlich mindestens 2 Mrd Euro pro Jahr. Im Jahr 2030 werden allein jene Schäden, die wir mit aktuellen Modellen quantifizieren können, jährlich zumindest 3 bis 7 Mrd. Euro ausmachen und bis 2050 weiter auf 7 bis 14 Mrd. Euro steigen.

Viele der Schäden durch Naturkatastrophen wie Dürren, Feuer und Fluten sind nicht versichert. Und wo keine Versicherung, da sind Menschen umso härter betroffen. Die Klimakrise zerstört Existenzen und treibt Menschen in finanzielle Notlagen.

Klimaschutz ist demgegenüber quasi immer billiger. Die Analysen der Klimapolitik zeigen klar: Kluge Klimapolitik hat einen extrem hohen Return on Investment; jeder investierte Euro verringert Schäden um 10 bis 20 Euro.

In anderen Worten: Die Klimakrise stellt ein enormes Risiko für wirtschaftliche Entwicklung dar. Und Politikerinnen und Politiker, die Klimaschutz verhindern, gefährden unseren Wohlstand.

Wir haben alle Technologien, die wir brauchen, um jetzt Emissionen zu senken. Wir haben Unternehmen, die Wärmepumpen bauen und Schienen verlegen können und wir haben fertige Gesetze in den Schubladen der Ministerien liegen. Woran es scheitert ist der Wille der Politik. Und das muss sich ändern. Ein Klimaschutzgesetz beschließen, fossile Subventionen stoppen und aus fossile Heizungen aussteigen: Der von Fridays For Future geforderte Klimakatastrophengipfel ist in meinen Augen ein längst überfälliger Schritt.

Klara König (Fridays For Future Austria)

Der Sommer war ein Sommer der Klimakatastrophen und die fehlende Antwort der Politik ist eine Katastrophe für sich. Während manche Politiker nach Katastrophen symbolisch die Gummistiefel auspacken und neue klimapolitische Maßnahmen versprechen, hat sich der Kanzler nicht einmal darum bemüht.

Es ist klar: dieser Sommer 2023 muss ein Nachspiel haben. Der Klimakatastrophen-Sommer verlangt einen Herbst, auf den ernsthaftes klimapolitisches Anpacken folgen muss. Es braucht jetzt rasche Hilfe und langfristigen Schutz. Der erster Schritt: der Kanzler beruft einen Klimakatastrophengipfel ein.

Der Klimakatastrophengipfel muss sowohl die Bundesregierung als auch die Landeshauptleute zusammenbringen. Dieser Gipfel muss eine Zeitenwende in der österreichischen Klimapolitik einläuten und den Betroffenen, sowie Helfenden Gehör verschaffen. 
Am Freitag den 15. September rufen wir österreichweit, weltweit zum Klimastreik auf. Wenn Verantwortliche versagen und Menschen nicht schützen, ja dann empören wir uns umso lauter. Von der Wissenschaft, über Personen bei der Freiwilligen Feuerwehr, bis zur Landwirtschaft. Wir sehen uns am Freitag auf der Straße.

Bernhard Steindl (Freiwillige Feuerwehr)

Wir werden die Bevölkerung vor den immer stärker werdenden Katastrophen bald kaum mehr schützen können. Daher sollte die Politik neben Hochwasserschutz und Waldbrandprävention viel stärker an der Vermeidung von klimaschädlichem CO2-Ausstoß arbeiten.

Künftig könnten fast jedes Jahr tagelange Löscharbeiten bei Waldbränden oder wochenlanges Aufräumen nach Überflutungen und Stürmen notwendig sein - die Klimakrise wird die Feuerwehr immer mehr an ihre Grenzen bringen.

Es ist an der Zeit, dass Politiker:innen von PR-Bildern zu echtem Klimaschutz übergehen. Den Hilfskräften zu danken, ohne die notwendigen Anstrengungen zu unternehmen, solche Katastrophen in Zukunft zu verhindern, ist zynisch.

Maria Vogt (betroffene und engagierte Biobäuerin aus dem Weinviertel)

„In den letzten 30 Jahren habe ich gesehen, wie sich die Klimakrise auf den Höfen und in der Natur immer weiter zuspitzt. Früher hatten wir alle 10 Jahre ein trockenes Jahr, jetzt ist Hitze und Trockenheit ein Normalzustand im Weinviertel. Wo soll das hinführen? Wie soll das weitergehen? Hier gibt es keine Antworten aus der Politik. Wir Bauern und Bäuerinnen spüren die multiplen ökologischen Krisen wie Artensterben, Bodenverbrauch und die Klimakrise als Erstes, aber wir haben auch viele Lösungen und Alternativen in der Hand: Humusaufbau, weite und vielfältige Fruchtfolgen, kurze Wege und agrarökologische Landwirtschaft. Es muss endlich eine Trendwende her!“, so Maria Vogt, Biobäuerin im Weinviertel, die sich bei der ÖBV-Via Campesina Austria seit Jahrzehnten für Klimagerechtigkeit einsetzt.

„Hitzewellen, Dürre und Trockenheit, Überflutungen, Stürme und Hagel, Murenabgänge, Bodenerosion, Waldbrände und vieles mehr: Zunehmende Extremwetterereignisse machen die Arbeit in der Landwirtschaft immer schwieriger und riskanter. Die weiterhin ungebremste Bodenversiegelung verschärft die Lage zusätzlich. All das ist mittlerweile die größte Gefahr für die Versorgungssicherheit. Es geht nicht nur darum, die negativen Auswirkungen mit immer mehr Aufwand abzufedern, sondern wir brauchen einen Übergang zu nachhaltiger, resilienter und agrarökologischer Landwirtschaft und Ernährung!“, so Maria Vogt, Biobäuerin im Weinviertel, die sich bei der ÖBV-Via Campesina Austria seit Jahrzehnten für Klimagerechtigkeit einsetzt.

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Daniel Shams